Tennis
17.07.2017 13:17

Phänomen Roger Federer – die Suche nach Superlativen

  • Roger Federer präsentiert der Presse stolz seinen achten "Challenge-Cup"
    Roger Federer präsentiert der Presse stolz seinen achten «Challenge-Cup». | KEYSTONE/EPA AELTC/AELTC / ROBERT MARTIN
WIMBLEDON ⋅ Am Tag nach seinem achten Wimbledon-Triumph überbieten sich die englischen Zeitungen mit Lobeshymnen auf Roger Federer. Er selbst feiert den Erfolg in einer Bar bis morgens um 5 Uhr.

«The Daily Telegraph» bildete auf der Titelseite des Sportteils alle acht Titelgewinnen mit Fotos von Federer mit dem Pokal ab und schrieb in seinem Kommentar: «Er ist nicht mehr von dieser Welt.» Die «Times» sprach vom «achten Weltwunder», und die Boulevardblätter «The Sun» («Fed's the Gr8test») und «Metro» («The Greightest») feierten den Schweizer als «König von Wimbledon». Mit seinem 19. Grand-Slam-Titel, dem achten im All England Club, in dem er nun alleiniger Rekordsieger ist, erreichte Federer noch einmal neue Sphären.

Federer selbst genoss den Titel im Kreis seiner engsten Vertrauten. Erstmals seit fünf Jahren nahm er wieder am Champions Dinner teil, das in diesem Jahr in der Guildhall in der Londoner Innenstadt stattfand. Federer traf aufgrund seiner diversen Medienverpflichtungen nach dem klaren Dreisatzsieg im Final gegen Marin Cilic erst gegen 23 Uhr im ehemaligen Rathaus ein und verpasste dadurch die Vorspeise, die ihm später nachgereicht wurde.

Werbung für die Schweiz

Nach dem Hauptgang, in dem den rund 400 geladenen Gästen Heilbutt mit Spargeln, wilden Pilzen und Erbsen an einer Knoblauchsauce serviert wurde, zeigte sich Federer im Interview mit dem ehemaligen Tennisprofi Mark Petchey selber erstaunt über das Erreichte: «Ich hätte 2003 nicht eine Sekunde gedacht, dass ich einst hier mit acht Wimbledon-Titeln stehen würde.» Es sei irgendwie surreal. «Wimbledon zu gewinnen ist immer speziell.»

Auch seine halbjährige Pause vor einem Jahr wird thematisiert, wobei Bilder von Federer beim Wandern in den Schweizer Bergen gezeigt werden. «Wer nicht weiss, was er in den nächsten Wochen und Monaten machen soll, das ist der Platz, wo er hingehen soll», schwärmte der im Bündnerland wohnhafte Baselbieter. «Die Schweiz ist wunderbar im Sommer.»

Gegenüber den geladenen Gästen des All England Clubs sprach Federer auch über seine Frau Mirka, die bereits seit 2000 an seiner Seite ist, die ihn auch als Tennisspieler weitergebracht habe. «Sie hat mich dazu getrieben, härter zu arbeiten. Denn sie war eine hart arbeitende Tennisspielerin, im Gegensatz zu mir. Ohne sie hätte ich diese Seite vielleicht nicht kennengelernt.»

Kein Tänzchen mit Muguruza

Rund eineinhalb Stunden verbringt Federer mit seiner Ehefrau, den Eltern, seinem Staff, sowie Tommy Haas und dessen Ehefrau am Dinner. Zum angekündigten Tänzchen mit Garbiñe Muguruza, der Siegerin bei den Frauen, kommt es allerdings nicht. Die Spanierin hatte ihn zuvor via Twitter dazu aufgefordert. «Irgendwie ergab sich aber die Möglichkeit nicht», sagte Federer. Die einstige Tradition wurde schon seit Jahren abgeschafft.

Nach Mitternacht machten sich Federer und seine Entourage in eine Bar auf, um im engen Kreis auf seinen achten Triumph anzustossen. Bis um 5 Uhr hätten sie mit 30 bis 40 Freunden gefeiert. «Ich habe dabei aber zu viele verschiedene Drinks gehabt», sagte Federer, der nach der kurzen Nacht noch einmal für einen Presse- und Fototermin in den All England Club zurückkehrte, ehe er mit seiner Familie in die Ferien verreiste.


Auszug aus der nationalen Presse

Er sei das «achte Weltwunder» titelte der «Blick» nach Federers Rekordsieg in Wimbledon und gestand: «Wir suchen nach Formulierungen und Superlativen für diesen Mann.» Der Tenor der Schweizer Presse über die Erfolge und Leistungen des Baselbieters ist eindeutig: Sie sind nicht zu fassen und kaum zu beschreiben.

Die «NZZ» griff bei ihrer Beschreibung von Federers Meriten auf nackte Zahlen zurück: «Acht Wimbledon-Siege, 19 Grand-Slam-Titel, 29 Finals, dazu 302 Wochen an der Weltspitze», listete sie einen Ausschnitt aus dem eindrücklichen Palmares des bald 36-Jährigen auf und fragte: «Wer will Roger Federer noch mit anderen grossen Sportlern vergleichen?»

Ähnlich sieht es Federer-Biograf René Stauffer: «Federer hat längst die Dimensionen eines normalen Sportstars hinter sich gelassen, ist zur lebenden Legende geworden», schrieb er in seiner Würdigung im Tagesanzeiger.

Das Phänomen «Federer» lässt sich für die «Basler Zeitung» nicht nur an Erfolgen messen. Während in anderen Sportarten die Fans heftig darüber diskutierten, «wem die Ehre als Bester der Geschichte» zuteil werde, sei im Tennis «der Fall für die Zuschauer eindeutig». 14 Jahre hintereinander haben die Fans den Schweizer zu ihrem Liebling erkoren - auch in den harten Jahren mit wenig sportlichem Erfolg waren sie ihm treu geblieben. Dass er Ende dieser Saison zum 15. Mal zum Liebling der Massen erkoren wird, gilt als so gut wie sicher.

So oder so: Der achte Triumph für Federer in Wimbledon, durch welchen er zum alleinigen Rekordhalter beim prestigeträchtigsten Tennisturnier der Welt aufgestiegen ist, hat etwas Unglaubliches. Nach Federers neusten Bestmarken stellt die «NZZ» deshalb klar: «Roger Federer ist unvergleichlich. Er lebt nach seinen eigenen Massstäben.»


Auszug aus der internationalen Presse

GROSSBRITANNIEN

«The Independent»: «Roger Federer ist aussergewöhnlich, ein grossartiger Botschafter des Sports und der beste Tennis-Spieler der Erde. (...) Er steht weniger als einen Monat vor seinem 36. Geburtstag, aber die letzten zwei Wochen hat er über die Tennisplätze getanzt wie ein Teenager in der Disco.»

«The Guardian»: «Mit seinem achten Wimbledon-Titel hat Roger Federer seinen Ruf als grösster Spieler dieses Sports zementiert - durch einen einseitigen Sieg über Marin Cilic, dessen Hoffnungen auf eine Überraschung von einer Blase zerstört wurden, die seine Bewegung einschränkte und seine Gedanken plagte. (...) Im Herbst seiner Karriere steht Federer über allen.»

«The Telegraph»: «Roger Federer ist Teil der britischen Sportgeschichte, eine Dauerausstellung, von der man sich wünscht, sie würde nie geschlossen.»

«Mirror»: «Roger Federer ist der Grösste aller Zeiten. Man würde nicht dagegen wetten, dass er auch noch einen neunten Wimbledon-Titel gewinnt.»

DEUTSCHLAND

«Süddeutsche Zeitung»: «Im achten Himmel. (...) Diesmal stand er nicht nur einem Rivalen mit Racket gegenüber (...). Sondern wollte zwei weitere Gegner herausfordern: das Alter und die Klub-Annalen.»

ÖSTERREICH

«Kurier»: «King Rogers nächste Krönung: Der Senior ganz oben»

«Der Standard»: «Fünf Jahre nach seinem bisher letzten Wimbledon-Triumph hat Roger Federer am Sonntag seiner märchenhaften Karriere einen neuen Meilenstein hinzugefügt. Erstmals auch vor seinen Zwillingssöhnen Leo und Lenny streckte Federer den Pokal nach seinem achten Wimbledon-Titel in die Höhe.»

FRANKREICH

«Le Figaro»: «Mit ihm ist der Katalog der Superlative seit langem ausgeschöpft. Roger Federer schreibt einen überwältigenden Roman ohne Ende.»

«L'Équipe» titelt «Göttlich» und schreibt: «Falls Federer nur ein Buch der Rekorde wäre, bliebe die Magie kalt und würde die Mengen nicht begeistern. Die Höhen und Tiefen, die er in den vergangenen Jahren erlebt hat, treten ehrfürchtig zurück vor den «Oh!» und «Ah!», die Eleganz und Brillanz seiner Schläge auf allen Plätzen (...) erzeugen.»

«Le Parisien»: «Man hat schon alle Superlative verbraucht, um das Genie Federers zu beschreiben, des grössten Spielers aller Zeiten, und man muss weitere finden, um seinen 19. Grand-Slam-Titel (ein Rekord) und seinen achten im Rasentempel zu erzählen. Um von der unglaublichen Auferstehung des Königs Roger zu berichten, mit 35 Jahren und nach fünf Jahren Grand-Slam-Mangel. Verrückt!»

SPANIEN:

«El Mundo»: «Federers Aura verschlingt Cilic. (...) Roger Federer hat seinen achten Wimbledon-Titel geholt und musste dabei nicht einmal alle Register ziehen.»

«AS»: «Federer regiert in Wimbledon»

«Marca»: «Die Legende lebt weiter. (...) Die Gründe, warum Roger Federer der grösste Tennisspieler der Geschichte ist, gehen weit über die Spielergebnisse hinaus.»

«La Vanguardia»: «Muhammad Ali wurde seinerzeit zum besten Sportler des 20. Jahrhunderts gewählt. (...) 17 Jahre scheinen mehr als ausreichend zu sein, um mit Bestimmtheit zu sagen, dass Roger Federer einer der wichtigsten Kandidaten auf den Titel des Besten des 21. Jahrhunderts sein wird.»

ITALIEN:

«La Stampa»: «Federers Rekord in Wimbledon öffnet ihm die Tür zur Legende. Er ist der perfekte Champion.»

«La Repubblica»: «Federer, Kaiser von Wimbledon: Die Geschichte von einer zeitlosen Schönheit wird in Wimbledon zur Legende.»

«Gazzetta dello Sport»: «Er wird König Federer VIII. sein.»

SLOWAKEI

«Dennik N»: «Roger Federer hat aus Tennis etwas Wunderschönes gemacht. Er ist ein Künstler!»

TSCHECHIEN:

«Pravo»: «Federer hat in Wimbledon vorgeführt, dass das Alter nur eine Nummer ist.»

«Lidove noviny»: «Der König küsst zum achten Mal die Trophäe von Wimbledon.»

(sda)

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