Zug
12.09.2017 17:00

Regierungsrat Matthias Michel hört auf

  • Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel ist seit 16 Jahren Zuger Regierungsrat. Jetzt hat er einen Rücktritt angekündigt.
    Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel ist seit 16 Jahren Zuger Regierungsrat. Jetzt hat er einen Rücktritt angekündigt. | Bild: Stefan Kaiser
KANTON ZUG ⋅ Ende 2018 ist Schluss mit der kantonalen Politik. Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel (FDP) wird nach über 20 Jahren eine neue berufliche Herausforderung suchen.

Harry Ziegler

harry.ziegler@zugerzeitung.ch

Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel (54, FDP, Zug) wird für eine fünfte Amtszeit als Regierungsrat nicht zur Verfügung stehen. Er informierte am Dienstag Regierung und die FDP-Parteileitung über seinen Entscheid. Michels Amtszeit als Regierungsrat endet somit am 31. Dezember 2018. Dann wird er dem Regierungsrat 16 Jahre angehört haben. Vor seiner Wahl in die Regierung 2002 vertrat Michel während acht Jahren die Stadt Zug im Kantonsrat. Die kantonalen Gesamterneuerungswahlen finden am 7. Oktober des nächsten Jahres statt. Die anderen Parteien und ihre Vertreter im Regierungsrat halten sich bezüglich ihrer Wahlpläne noch bedeckt (siehe Box).

In einem Schreiben an die FDP-Parteileitung legt Jurist Michel die Gründe für seinen Entscheid dar. Er wolle sich 2019, dann im Alter von 55 Jahren, einer «nächsten Etappe mit beruflichen Perspektiven widmen und meine Erfahrung anderswo einbringen», heisst es in seinem Schreiben.

Verbleiben in der Politik ist eine Option

Was Matthias Michel ab dem 1. Januar 2019 beruflich machen wird, ist offen. «Sicher möchte ich meine bisherigen Erfahrungen einbringen können, am liebsten auf überregionaler Ebene», erklärt er auf Anfrage. Noch stehe aber seine jetzige Aufgabe im Zentrum. Diese möchte er gut zu Ende bringen. Und: «Ich beende im Dezember 2018 ein Regierungsamt und suche per 2019 eine neue berufliche Herausforderung. Eine weitere politische Tätigkeit ist eine von mehreren Optionen – nicht mehr und nicht weniger», sagt Michel zu einer allfälligen Zukunft in der Politik. Im Oktober 2019 stehen die National- und Ständeratswahlen an.

Die FDP wird nun die Suche nach geeigneten Kandidatinnen oder Kandidaten für die Nachfolge Michels angehen. FDP-Parteipräsident Andreas Hostettler ist sich bewusst, dass es nicht einfach werden wird, Matthias Michel zu ersetzen. «Der Kanton Zug ist auf kompetente und weitsichtige Regierungsmitglieder angewiesen. Aber egal, wie gut ein Vorgänger war, die Erwartungen an Regierungsräte sind generell hoch.» Die FDP sei aber «in der glücklichen Lage, auf starke Persönlichkeiten zurückgreifen zu können», so Hostettler.

Namen möglicher Nachfolger allerdings will er keine nennen. Nur soviel: «Wir führen bereits seit mehr als einem Jahr Gespräche mit kompetenten Persönlichkeiten in unserer Partei. Verschiedene Personen haben bereits ihr Interesse angemeldet. In den kommenden Wochen und Monaten werden wir diese Gespräche vertiefen.» Nominiert werden soll gemäss Hostettler im Frühling des kommenden Jahres. So bleibe genügend Zeit für eine gute Auswahl. Mitbringen sollte eine FDP-Kandidatin oder ein FDP-Kandidat neben liberalen Grundwerten «Erfahrung aus einem Parlament oder aus einer gemeindlichen Exekutive, verbunden mit Führungsverantwortung», umreisst Andreas Hostettler einen Teil des Anforderungsprofils.

Ob die FDP mit einer oder mehreren Personen in den Wahlkampf um Michels Nachfolge steigen wird, bestimmt die Nominationsversammlung. Parteipräsident Hostettler ist «zuversichtlich, dass wir mit einer guten Mischung in die Nominations- und Wahlkampfphase steigen.»

«Lasse bis zum Ende nicht locker»

Mit seiner Ankündigung gut ein Jahr vor den Gesamterneuerungswahlen will Matthias Michel seiner Partei die notwendige Zeit geben, die Nachfolgeplanung sorgfältig angehen zu können. Personen, die ihren Rückzug aus der Politik lange im Voraus bekanntgeben, werden «lame duck – lahme Ente» genannt. Laut Michel bestehe keine Gefahr, dass er zu einer solchen werde. «Ich lasse bis zum 31. Dezember 2018 nicht locker.» Zwar sei er auf sein Ausscheiden aus der Regierung mental vorbereitet. «Emotional werde ich den Abschied dann aber Ende 2018 sicher spüren.» Ein Fazit seiner Regierungstätigkeit wolle er erst Ende 2018 ziehen, schliesslich habe er bis dahin noch Ziele. «Ein besonderer Meilenstein meiner bisherigen Tätigkeit war sicher die Eröffnung des Departements Informatik der Hochschule Luzern in Rotkreuz. Dahinter steckt ein sehr grosses Engagement unseres Kantons – und dieser ‹Informatik-Hub› bietet noch viel Zukunftspotenzial.»

Hinweis: Das Rücktrittsschreiben von Matthias Michel im Wortlaut »

Kommentare

Zu diesem Artikel sind noch keine Beiträge vorhanden.

Kommentar schreiben

Sie dürfen noch Zeichen schreiben
Bei jedem neuen Beitrag in dieser Diskussion erhalten Sie eine entsprechende Benachrichtigung
  • Anmelden
Füllen Sie bitte die notwendigen Felder für die Registrierung aus.
Ihre Daten sind leider unvollständig.
Ergänzen Sie bitte Ihre Benutzerdaten, um den Vorgang abschließen zu können.

Meist gelesene Artikel

Christian Constantin hatte in Lugano einen schweren Aussetzer.
SUPER LEAGUE

Nach Attacke auf Fringer legt Constantin nach: «Wofür soll ich mich da entschuldigen?»

Christian Constantin zieht erste Konsequenzen aus seiner Entgleisung in Lugano
SION 2026

Nach Attacke auf Rolf Fringer: Constantin steigt aus Sittener Kandidatur aus

Auf dem Rathaussteg sind häufig auch Touristen unterwegs.
GASTGEWERBE

Einheimische dürfen billiger ins Hotel

Der dichte Verkehr in der Stadt Luzern – hier auf der Seebrücke – sorgt für viel Unzufriedenheit.
STADT LUZERN

Parkhaus-Projekte: «Wir müssen nun gemeinsam nach Lösungen suchen»

Getrockneter Cannabis – für Studienteilnehmer bald in der Apotheke käuflich.
STADT LUZERN

Grünes Licht für Cannabis-Projekt

Wer übernimmt welches Departement? Das entscheidet der Bundesrat heute. Das neue Mitglied Ignazio Cassis muss bei der Verteilung hinten anstehen. (Archivbild)
BUNDESRATSWAHL

Bundesrat verteilt Departemente

Christian Constantin mit grimmigem Blick
SUPER LEAGUE

Constantin geht sogar in die Offensive

Hierhin führt die erste Verbindung am Morgen ins Tessin: nach Locarno.
FAHRPLANWECHSEL

SBB suchen den Kompromiss

Fünf Wochen nach den Anschlägen in Barcelona und Cambrils hat die Polizei einen weiteren Verdächtigen festgenommen. (Archivbild)
SPANIEN

Weitere Festnahme nach Anschlag in Barcelona

Christian Schwegler während dem Training des FC Luzern am Samstag, 24. Juni 2017.
FUSSBALL

Für FCL-Leader Schwegler ist Pleite bei YB «nicht so dramatisch»

Zur klassischen Ansicht wechseln