Zug
14.09.2017 05:00

Drogendealer zu zwölf Jahren verurteilt

  • Der Koffer mit 30 Kilogramm Heroin im Kofferraum eines Autos. Das Bild veröffentlichte die Zuger Polizei nach ihrem Fang im Jahr 2013. | Zuger Polizei
GERICHT ⋅ Die Staatsanwaltschaft forderte 15 Jahre Haft, die Verteidigung maximal 8 Jahre: Das Gericht hat gestern entschieden, das Mitglied eines Drogenrings zu 12 Jahren zu verurteilen, vor allem wegen zweifacher Mittäterschaft. Ein «grosser Fisch» sei er trotzdem nicht.

Das Strafgericht unter Vorsitz von Svea Anlauf hatte es nicht einfach, hatte doch in der Verhandlung gegen den 41-jährigen Türken am Dienstag die Verteidigung maximal 8 Jahre und die Staatsanwaltschaft 15 Jahre Haft gefordert. Das gestrige Urteil gegen das Mitglied eines Drogenrings, der im Rahmen der Aktion «Hamburg» 2013 von den Zuger Strafverfolgungsbehörden gefasst worden ist, entspricht nun eher dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Er wird wegen mehrfacher qualifizierter Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz zu 12 Jahren Haft verurteilt.

Zusätzlich werden dem Angeklagten die Kosten des Verfahrens sowie Ermittlungskosten in Höhe von rund 140 000 Franken auferlegt. Diese ergeben sich aus den Kosten für die Übersetzung der Mitschnitte aus der Telefonüberwachung und des Dolmetschers, der am Verhör einer seiner Kuriere eingesetzt wurde. Dieser Entscheid tangiere nicht sein Recht auf ein faires Verfahren, erläuterte die Richterin. Denn dieses betreffe nur den Dolmetscher, den er aufgrund fehlender Deutschkenntnisse benötigt habe. Die anderen Übersetzungen seien aber wegen der fehlenden Türkischkenntnisse der Strafverfolgungsbehörden in den Ermittlungen gegen ihn nötig geworden.

Nur an vollzogenem Deal verdient

Uneinig waren sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung während des Verfahrens vor allem darüber, was die Position des Angeklagten im Drogenring betrifft. Die Verteidigung klassierte ihn eine Stufe höher wie die Kuriere ein, die Staatsanwaltschaft hielt ihn für einen «grösseren Fisch». Das Gericht stimmt mit der Verteidigung überein, habe er doch beispielsweise nur am Vollzug der jeweiligen Lieferung Geld verdient. Jemand Höheres jedoch erhalte immer Geld, so wie ein Manager stets etwas verdiene, egal wie das Geschäft laufe, so Anlauf. Wieso also trotzdem das hohe Strafmass? Im Gegensatz zu Staats­anwaltschaft und Verteidigung habe man nicht alle Einzelfälle und die jeweiligen Drogenmengen addiert und von der Gesamtmenge dann das entsprechende Strafmass abgeleitet, sondern die Fälle erst einzeln bemessen und dann zusammengenommen, so Anlauf. Als schlimmstes Vergehen stuft das Gericht die Mittäterschaft an der Fahrt des zweiten Kuriers ein, der dem Angeklagten den Koffer mit rund 30 Kilo Heroingemisch übergab. Mittäterschaft deshalb, weil der Angeklagte sowohl die Fahrt organisierte, den Fahrer instruierte, eine Vorstellung der Grössenordnung der Ware hatte und diese dann auch entgegennahm. Für diesen Fall hätte er mit entsprechendem Abzug 9 Jahre und 5 Monate erhalten. Auch für die erste Kurierfahrt, bei der jedoch eine kleinere Menge transportiert wurde, wird er als Mittäter verurteilt. Hier zieht das Gericht aber 40 Prozent vom Strafmass ab, da dieser zum anderen Fall addiert werde. Dazu kommen noch kleinere Strafmasse für seine Drogendeals mit Heroin und Marihuana in der Schweiz. Von dieser Zwischensumme zieht das Gericht dann aber noch einiges ab unter anderem für seine Geständigkeit. Im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft ist das Gericht der Meinung, dass dieser sehr wohl etwas zu den Ermittlungen beigetragen habe. So habe er Dinge eingestanden, die sein Kurier etwa verschwiegen habe.

Zu lange für Ermittlungen gebraucht

Ein Jahr zieht das Gericht dann noch wegen der Verletzung des Beschleunigungsgebots ab. Zwar könne es gut sein, dass die Zuger Strafverfolgungsbehörden insgesamt an ihre Kapazitätsgrenzen gelangt seien. Hier ginge es aber um den Einzelfall, und da sei es relevant, dass etwa einmal zwischen zwei Einvernahmen 16 Monate Pause waren. Die Verhandlung gegen den Angeklagten fand erst vier Jahre nach seiner Festnahme statt. Die Staatsanwaltschaft hatte noch gefordert, zwingend ein Jahr wegen der diversen Vorstrafen des Angeklagten dranzuhängen, das Gericht addiert jedoch nur zwei Monate. Zwar habe dieser viele Vorstrafen, sie stünden jedoch nicht in einem Zusammenhang mit der Tat. So kommt das Gericht dann auf das Strafmass von genau zwölf Jahren. Von dem dann aber noch die bereits verbüsse Haft abgezogen wird.

Er habe sich ja gewünscht, fair entsprechend seiner Tat und nicht wie ein Drogenbaron verurteilt zu werden, dies habe das Gericht so gemacht, sagte Richterin Anlauf dann noch in Richtung des Angeklagten. Dieser sieht dies aber anders: «Ich wurde wie ein Drogenbaron verurteilt», entgegnete er und streckte anschliessend den Kopf mit seinem Verteidiger zusammen. Es ist also gut möglich, dass er die zehntägige Berufungsfrist nach Zustellung des Urteils nutzt. Somit ist dieses noch nicht rechtskräftig, und möglicherweise muss sich bald das Obergericht mit seinem Fall beschäftigen.

 

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

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