Obwalden
14.09.2017 10:58

Kanton plant Inseln im Alpnachersee

  • Blick auf den Alpnachersee mit dem Mündungsbereich der Sarneraa (links) und dem Flugplatz.
    Blick auf den Alpnachersee mit dem Mündungsbereich der Sarneraa (links) und dem Flugplatz. | Leserbild: Helene Gosswiler
  • So soll die Sarneraa nach Realisierung der Wasserbauprojekte aussehen.
    So soll die Sarneraa nach Realisierung der Wasserbauprojekte aussehen. | Bildmontage: PD
OBWALDEN ⋅ 310'000 Kubikmeter Ausbruchmaterial aus dem Hochwasserschutzprojekt sollen im Sarneraadelta zu Inseln aufgeschüttet werden. Für den Kanton bedeutet das weniger Kosten und mehr Subventionen und ein neues Freizeit-und Naturschutzgebiet.

Franziska Herger

franziska.herger@obwaldnerzeitung.ch

Am Südufer des Alpnachersees soll ein Inselparadies entstehen. An der Mündung der Sarneraa plant der Kanton ein ökologisches Aufwertungsprojekt, wie das Bau- und Raumentwicklungsdepartement gestern mitteilte. «Wir stellen uns dort eine Flachwasserzone mit kleinen Inseln vor», sagt Baudirektor Josef Hess. Vorbild sei das Urner Reussdelta. Am Südufer des Alpnachersees seien in den letzten Jahrzehnten durch Kiesausbaggerung mehrere Baggerlöcher entstanden, die man teilweise aufzufüllen plane. «Wie die Gestaltung im Detail aussieht, ist noch unklar. Einige Bereiche sind zum Baden gedacht, andere als Naturschutzgebiete», sagt Hess.

Bund übernimmt bis zu 80 Prozent der Kosten

Mit der Aufschüttung wird frühestens im Herbst 2019 begonnen. Dafür soll unter anderem Ausbruchmaterial des Hochwasserentlastungsstollens aus dem Projekt Hochwassersicherheit Sarneraatal verwendet werden. «Durch die Nähe des Stollens zum See ist diese Verwertung eine nahezu brillante Idee», sagt Baudirektor Hess. Sie bringe dem Kanton mehrere Vorteile: Durch die Ablagerung im See statt auf den Obwaldner Deponien könnten nicht nur weite Transport­wege samt Umweltbelastung vermieden werden, sondern auch die Zahlung der Deponiege­bühren. «Diese sind nämlich nicht subventionsberechtigt», sagt Hess. «Im Gegensatz dazu fördert der Bund ökologische Aufwertungsprojekte wie die geplanten Massnahmen im Alpnachersee mit bis zu 80 Prozent der Kosten.» Gegenüber einer Deponielösung könnten so grob geschätzt mindestens 2 Millionen Franken eingespart werden, ergänzt Hess. Die Projektkosten müssten noch ermittelt werden.

«In ersten Kontakten mit Umweltorganisationen wurden die Ideen sehr gut aufgenommen», sagt Hess. «Das Projekt hilft uns auch, die Umweltanforderungen an die Hochwasserschutzprojekte im Sarneraatal noch besser zu erfüllen und gleichzeitig Kulturland zu erhalten.» Der Baudirektor hoffe, damit auch die Einsprachen der Umweltverbände gegen das Hochwasserschutzprojekt Sarneraatal schneller erledigen zu können. Die Idee zur Aufwertung des Seeufers sei vor etwa einem Jahr entstanden, sagt Hess – und damit nach der Bewilligung des Nutzungsplans für die Deponie Hinterflue in Kerns, in der ein Grossteil des Stollenausbruchmaterials Platz finden sollte. «Man machte sich schon unter meinem Vorgänger Paul Federer Gedanken zu Alternativen, statt das Material über längere Distanzen durch den Kanton zu transportieren», so Hess.

Laut einer Machbarkeitsstudie könne in der Mündung der Sarneraa 310000 Kubikmeter Material aufgeschüttet werden, sagt der Baudirektor. 140000 Kubikmeter fielen aus dem Stollenausbruch an, die Wasserbauprojekte entlang der Sarneraa, die zwischen 2019 und 2025 starten, würden weitere 170000 Kubikmeter liefern. «Maximal können im Alpnachersee bis zu einer Million Kubikmeter aufgeschüttet werden», sagt Hess. Doch das stehe momentan nicht im Vordergrund. «Das zusätzliche Material müsste man von weit her zuführen, etwa von der Tunnelbaustelle Kaiserstuhl», erklärt Hess. «Es gibt aber in den nächsten Jahren auch ausserkantonale Baustellen rund um den Vierwaldstättersee. Von dort könnte das Material mit Lastschiffen umweltfreundlich zum Südufer des Alpnachersees gebracht werden.»

Drei Projekte müssen parallel realisert werden

Bis dahin muss noch einiges geschehen. Da der Stollen nur in Betrieb genommen werden kann, wenn das Wasserbauprojekt Sarneraa Alpnach I mit der Verbreiterung der Sarneraa abgeschlossen ist und das Stollenmaterial nur dann im See Platz findet, wenn das Süduferprojekt bewilligt ist, müssen alle drei Projekte parallel realisiert werden.

«Ziel ist, damit im Winter 2019/20 zu beginnen», sagt Hess. 2018 soll daher nicht nur das Wasserbauprojekt Sarneraa Alpnach I, für das der Kantonsrat Anfang Juni 24 Millionen Franken bewilligte, öffentlich aufgelegt werden. Anfang Jahr werde dem Kantonsrat auch ein Planungskredit in noch zu ermittelnder Höhe für das Süduferprojekt vorgelegt. Die öffentliche Auflage sei dann in der ersten Hälfte 2019 vorgesehen, so der Baudirektor. «Alle betroffenen Kreise wie etwa Fischer, Landwirte und Umweltschuttverbände werden laufend in die Projektarbeiten einbezogen», so Hess. Damit hoffe man, Verzögerungen durch Einsprachen zu vermeiden. «Wir setzen alles daran, den ehrgeizigen Zeitplan einhalten können», sagt Hess.»

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