Luzern
12.09.2017 05:00

Bijouterie-Überfälle in der Altstadt: Der Branchenverband ist ratlos

  • Beim Raubüberfall am Sonntag bei Gübelin wurde eine Person verletzt.
    Beim Raubüberfall am Sonntag bei Gübelin wurde eine Person verletzt. | Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 10. September 2017)
  • Von Überwachungskameras aufgenommen: Die beiden Räuber vom Schwanenplatz.
    Von Überwachungskameras aufgenommen: Die beiden Räuber vom Schwanenplatz. | Bild Luzerner Polizei
  • Aufnahme einer Überwachungskamera.
    Aufnahme einer Überwachungskamera.
  • Aufnahme einer Überwachungskamera.
    Aufnahme einer Überwachungskamera. | Bild: Luzerner Polizei
  • Aufnahme einer Überwachungskamera.
    Aufnahme einer Überwachungskamera.
  • Polizisten in der Fussgängerpassage zum Stein. Die Verbindung zwischen Schwanenplatz und Hertensteinstrasse wurde auf beiden Seiten abgeriegelt.
    Polizisten in der Fussgängerpassage zum Stein. Die Verbindung zwischen Schwanenplatz und Hertensteinstrasse wurde auf beiden Seiten abgeriegelt. | Bild: Leserreporter
  • Polizeifahrzeuge am Luzerner Schwanenplatz.
    Polizeifahrzeuge am Luzerner Schwanenplatz. | Bild: Sara Häusermann (Luzern, 10. September 2017)
LUZERN ⋅ Nach dem Überfall am Schwanenplatz laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Derweil beobachtet der Präsident des Branchenverbands, dass die Täter zunehmend auch vor Gewalt nicht zurückschrecken.

Am Sonntagmorgen überfielen zwei bewaffnete Räuber die Bijouterie Gübelin am Schwanenplatz – und verletzten dabei eine Angestellte (Artikel vom 10. September). Zum Vorfall geben weder Gübelin noch die Polizei weitere Auskünfte. Die Ermittlungsarbeiten sollen nicht gestört werden. Die Polizei hält lediglich fest, dass die Ermittlungen laufen und dass man aktuell diverse Befragungen und Auswertungen durchführe. Gübelin-Sprecherin Anne Gorgerat verrät überdies, dass es der verletzten Angestellten bereits besser gehe. Weiter unklar bleibt die Art der Verletzung.

Klar hingegen ist: Es ist nicht der erste Raubüberfall auf ein Luzerner Schmuck- und Uhrengeschäft. Und mit grosser Wahrscheinlichkeit auch nicht der letzte – trotz immer raffinierterer Sicherheitssysteme. Mehr dazu später. Kommt hinzu: Nur bei einem kleinen Bruchteil dieser Überfälle werden die Täter von der Polizei auch tatsächlich gefasst. Die Aufklärungsquote der 70 Raubdelikte, die 2016 auf Luzerner Kantonsgebiet angezeigt wurden, betrug lediglich 28,6 Prozent. Diese Zahlen weist die polizeiliche Kriminalstatistik des Kantons Luzern aus. Schweizweit beträgt die Erfolgsquote fast 40 Prozent. Deutlich niedriger noch liegt dieser Wert bei Überfällen, bei denen Schusswaffen im Spiel waren: Hier beträgt der Anteil gelöster Fälle im Kanton Luzern 13,3 Prozent: Von 15 Fällen konnten nur 2 geklärt werden. Auf nationaler Ebene wird hingegen fast jeder zweite Raubüberfall mit Schusswaffe gelöst.

Warum das so ist, darüber könne man nur spekulieren, sagt Simon Kopp, Pressesprecher der Luzerner Polizei. «Das sind Zufälligkeiten. Restlos.»

Eine mögliche Erklärung für die tiefen Aufklärungsquoten liefert André Hirschi, Präsident des Verbands der Schweizer Goldschmiede und Uhrengeschäfte, dem auch die Gübelin-Gruppe angehört. Bei Überfällen wie jüngst in Luzern sind laut Hirschi meist absolute Profis am Werk. «Da überrascht es mich nicht, dass verhältnismässig wenig Fälle aufgeklärt werden.» Und selbst wenn die Schuldigen schliesslich gefasst würden; Schweizer Gefängnisse hätten auf sie kaum eine abschreckende Wirkung.

Der Eindruck, dass Raubüberfalle auf Uhren- und Schmuckläden sich häufen, täusche nicht. Die Erklärung dafür sei relativ einfach: «Seit wir uns vor Rammbock-Diebstählen mit Pollern und Steinen vor den Schaufenstern schützen, kommen die Täter einfach tagsüber, oft bewaffnet in die Läden», sagt Hirschi. Früher hätte noch die Devise gegolten: keine Verletzte. Die Auftragsräuber von heute würden hingegen keine Hemmschwellen mehr kennen, und auch nicht mehr vor Gewalt an Angestellten und Beteiligten zurückschrecken.

Lösungsansätze überzeugen nicht

«Dabei sind die äusseren Verletzungen oftmals nicht die schlimmsten», sagt Hirschi, der glücklicherweise selber noch nie Opfer eines Raubüberfalls geworden ist. Er gesteht, ein wenig ratlos zu sein: «Wir haben noch keine Lösung für dieses Problem.» Es sei fraglich, ob es überhaupt eine gäbe. Einige, wenn auch nicht restlos überzeugende Ansätze gäbe es schon: etwa, die Ladentüren grundsätzlich nur auf Verlangen aufzuschliessen. «Letztlich gibt es aber auch hier keine Garantie, dass das Bauchgefühl immer stimmt und sich der vermeintliche Kunde nicht doch als Räuber entpuppt.» Eine weitere Option wäre die Installation von Schleusen – «damit die Täter das Gebäude im Raubfall nicht mehr verlassen können». Doch so steige das Risiko für Geiselnahmen. «Wir als Verband können daher keine Empfehlungen an die Branche abgeben», sagt Hirschi. Der einzige Trumpf gegen Räuber sei wohl, an die Aufmerksamkeit der Passanten zu appellieren.

Die zwei Räuber vom Schwanenplatz sind noch flüchtig. Sie waren in auffälligen Kapuzen­pullovern gekleidet – der eine im blauen Champion-, der andere im roten Adidas-Hoody. Sie drangen eine Stunde vor Ladenöffnung ein und erbeuteten Uhren, Schmuck sowie Bargeld in unbekannter Höhe. Die Täter sprachen gemäss Polizei gebrochen Deutsch.

Raphael Zemp

raphael.zemp@luzernerzeitung.ch

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