Luzern
14.09.2017 07:00

25-Millionen-Projekt: Komitee unterstützt Pflegeheim-Neubau

SCHÖTZ ⋅ Eine Gruppierung will den Neubau am alten Standort verhindern. Nun kämpft aber auch ein Komitee für das Projekt. Bei einem Nein zum Neubau befürchtet die zuständige Gemeinderätin lange Verzögerungen.

Wo werden Pflegebedürftige in Schötz künftig betreut? Um diese Frage geht es im Kern an der Abstimmung vom 24. September. Der Gemeinderat will beim Standort Biffig, wo das Mauritiusheim heute steht, einen Neubau erstellen und den Altbau sanieren. Geplant ist eine Aufstockung der Pflegebetten von 53 auf 60 sowie rund 12 neue Wohnungen. Das 25-Millionen-Franken-Projekt ist allerdings umstritten (wir haben berichtet). So wehrt sich etwa die Gruppe «Daheim im Dorfkern» gegen den Bau am Standort Biffig, 600 Meter ausserhalb des Schötzer Zen­trums. Hauptkritikpunkt ist, dass die Senioren zu weit entfernt seien. Die Gemeinde solle das Grundstück, das sie im Dorfzentrum hat, für den Neubau nutzen.

Nun kommt eine weitere Gruppe dazu, die sich für den Standort Biffig einsetzt. Das Pro-Komitee Mauritiusheim im Biffig schreibt in einer Mitteilung, dass der Biffig ein «attraktiver Standort» sei. Hans Gut vom Komitee erklärt, dass die Finanzen klar dafür sprechen würden: «Am heutigen Standort kann man fast nur ein Alters- und Pflegeheim realisieren.» Im Umkehrschluss würde man also «beträchtliche finanzielle Werte» vernichten, wenn der Standort aufgegeben würde.

«Gegenkomitee macht Stimmung im Dorf»

Hans Gut ist sich bewusst, dass das Areal etwas ausserhalb des Zentrums liegt: «Die Leute, die in Zukunft ins Mauritiusheim gehen, sind aber zum grossen Teil nicht mehr mobil. Sie sind teilweise schwer pflegebedürftig.» Denn es handle sich um ein Pflegeheim, nicht um ein Altersheim. Das soziale Leben stünde nicht mehr im Vordergrund. «Da ist auch ein ruhiger Standort gut, von wo man ins Grüne blicken kann.» Ausserdem gebe es im Dorf bereits viele Alterswohnungen. Und wenn man das Pflegeheim im Zentrum bauen würde, wäre dieser Standort für andere mögliche Projekte nicht mehr verfügbar.

Doch wieso hat sich das Komitee erst so kurz vor der Abstimmung gegründet? «Das Gegenkomitee macht Stimmung im Dorf, es ist sehr gut organisiert», erläutert Gut. «Nun haben wir uns zusammengeschlossen, damit unsere Standpunkte ebenfalls gehört werden.» Das Komitee sei breit abgestützt «im Interesse eines grossen Teils der Schötzer Bevölkerung». Zudem sei auch ein Flugblatt mit den Hauptpunkten für das Pflegeheim im Biffig verschickt worden.

Vreni Kunz-Galliker von der Gruppe «Daheim im Dorfkern» gibt Hans Gut insofern Recht, als dass es schwierig sei, für die Biffig-Gebäude eine sinnvolle Nachnutzung zu finden. «Doch weder der Gemeinderat noch die Mauritiusheim AG haben sich intensiv da­rum bemüht», kritisiert sie und bemängelt, dass nicht kommuniziert werde, wie sich die Kosten zusammensetzen. «Unsere Gruppe will ein Bauabenteuer am Rande der Gemeinde mit ungewissem finanziellen Ausgang verhindern.» Weiter führt sie aus, die Lösung im Dorf sei «kostengünstiger. Der Bau lässt sich weit einfacher realisieren.» Etwa, weil auf den 3-Millionen-Umbau des einstigen Bürgerheims verzichtet werden könne, da im Dorf bereits über 30 altersgerechte Wohnungen bestehen und weitere realisiert würden. Zudem sei keine Auslagerung der Bewohner während der Bauzeit nötig, die gegen zwei Millionen Franken verschlingen würde. Besonders gebe es aber mit einem Alters- und Pflegezentrum im Zentrum Syner­gien: «Man will ja, dass die Bevölkerung lange in den Alterswohnungen bleiben kann.» Wenn man ein Pflegeheim in der Nähe habe, könnten Senioren vom Angebot profitieren, ohne dass sie gleich ins Heim ziehen müssten.

Doch nicht nur die Argumente geben in Schötz zu reden, sondern auch die Art und Weise des Abstimmungskampfs. Gemeinderätin Ruth Bachmann-Schärli, die sich für den Standort Biffig einsetzt, bedauert, dass die Gegenseite die «kompetente Arbeit des Verwaltungsrates und des Gemeinderates immer wieder in Abrede stellt». Immerhin würden die drei Ortsparteien CVP, FDP und SVP sowie die Controllingkommission die Vorlage unterstützen. Ausserdem enerviert sie sich darüber, dass in Bezug auf die Abstimmungsfrage häufig von 25 Millionen Franken die Rede sei. In der Abstimmung gehe es aber um die Übertragung der Gebäude an die Mauritiusheim AG im Wert von rund 2,5 Millionen Franken und eine Bareinlage von 5 Millionen Franken. Ruth Bachmann-Schärli befürchtet bei einem Nein jahrelange Verzögerungen. «So lange kann das Projekt nicht mehr hinausgeschoben werden, da bereits heute ein grosser Handlungsbedarf besteht.»

 

Matthias Stadler

matthias.stadler@luzernerzeitung.ch

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