Luzern
12.09.2017 05:00

Leitartikel

Cheerstrasse: Den Volksentscheid endlich umsetzen

  • Autos sollen durch den Ausbau der Littauer Cheerstrasse den Bahnübergang künftig umfahren.
    Autos sollen durch den Ausbau der Littauer Cheerstrasse den Bahnübergang künftig umfahren. | Bild: Roger Grütter (Luzern, 8. September 2015)
  • Erweiterung der Cheerstrasse in Littau: Diese neue Strassenführung ist geplant.
    Erweiterung der Cheerstrasse in Littau: Diese neue Strassenführung ist geplant.
  • Hier soll die neue Cheerstrasse durchführen. Die Gleisunterführung steht schon, ist aber noch ungenutzt.
    Hier soll die neue Cheerstrasse durchführen. Die Gleisunterführung steht schon, ist aber noch ungenutzt. | Bild: Pius Amrein (Luzern, 5. Mai 2017)
Hugo Bischof zur Abstimmung über den Ausbau der Cheerstrasse in Littau.

Zuerst gilt es, etwas zu verdeutlichen: Am 24. September stimmen die Stimmberechtigten der Stadt Luzern zwar «nur» über einen Zusatzkredit von 4,83 Millionen Franken für den Ausbau der Littauer Cheer­strasse ab (plus 1,3 Millionen für höhere Unterhalts- und Betriebskosten). Total geht es aber um rund 20 Millionen: So viel kostet die Umlegung der Cheerstrasse insgesamt. 13,84 Millionen Franken dafür hatten die Stimmberechtigten der einstigen Gemeinde Littau schon 2009 bewilligt – kurz vor der Fusion mit Luzern.

Dass nun endlich der Littauer Volkswille von damals umgesetzt werden soll, ist ein Hauptargument der Befürworter von heute. In der Tat: Allein schon, dass ein Volksentscheid acht Jahre auf die lange Bank geschoben wird, ist stossend. Dazu kommt, dass die für die neue Strasse benötigte Unterführung unter der Bahnlinie – 400 Meter nordöstlich vom Bahnhof Littau – bereits 2005 erstellt worden war. Wie ein Mahnmal steht sie heute ungenutzt in der Landschaft.

Natürlich gibt es Gründe gegen den Bau einer fast 20 Millionen Franken teuren Strasse. Sie sei unnötig, führe zu Mehrverkehr, Zusatzlärm und widerspreche dem Reglement für eine nachhaltige städtische Mobilität, argumentieren die Grünen und die SP. Es gibt aber neben dem Volksentscheid von 2009 weitere Gründe, die dafür sprechen: Die heutige Situation beim Bahnübergang Littau ist heikel. Häufig kommt es zu Staus. Und die unmittelbare Nähe von Autofahrern, Velofahrern und Fussgängern, darunter viele Schulkinder, birgt Unfallgefahr. Die Umfahrung entlang der Bahnlinie via die bereits bestehende Unterführung und den Kreisel Bodenhof zur Thorenbergstrasse wird die Situation entschärfen.

Dazu kommt: Die neue Umfahrungsstrasse wird die Erschliessung des Littauer­bodens deutlich verbessern. Das Gewerbegebiet hat sich in den letzten Jahren stark entwickelt; zudem sind viele neue Wohnungen entstanden. Gewerbetreibende klagen seit langem über Umsatzeinbussen wegen der ungenügenden Verkehrserschliessung.

Warum ist das heutige Projekt so viel teurer als das ursprünglich bewilligte? Teuerung, höhere Mehrwertsteuer, Mehraufwand für Honorare, Landschutz und Lärmschutz sind das eine. Dazu kommen Zusatzkosten für die Umgestaltung der heutigen Cheerstrasse zwischen Bahnübergang und Thorenbergstrasse in eine Quartierstrasse – eine durchaus sinnvolle Massnahme. Es hätte noch teurer werden können. Der Stadtrat sah zunächst nämlich noch den Bau einer Velo- und Fussgängerunterführung beim Bahnhof Littau vor – für zusätzlich 4,6 Millionen Franken.

Dass darauf nun verzichtet wird, mag man aus Sicht des Langsamverkehrs bedauern. Die zusätzlichen 4,6 Millionen hätten das Fuder aber wohl überladen; die Gefahr einer Ablehnung des Gesamtprojekts wäre gestiegen. Zudem besteht die Hoffnung, dass die Unterführung dereinst dennoch kommt – wenn die SBB den Bahnhof Littau ausbauen.

Die neue Cheerstrasse ist auch ein Test für die innerstädtische Solidarität. Littau will den Ausbau; das sollten die Bewohner anderer Stadtteile respektieren. Zu hoffen ist, dass die Littauer selbst, deren Stimmbeteiligung oft tief ist, diesmal zahlreich abstimmen.

Hugo Bischof

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch

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