Luzern
11.09.2017 05:00

Wegen Malzmangel: Bierbrauerei will eigene Braugerste anpflanzen

  • Gregor Felder, Geschäftsführer der Entlebucher Bier AG.
    Gregor Felder, Geschäftsführer der Entlebucher Bier AG. | Bild: Pius Amrein (Entlebuch, 7. September 2017)
ENTLEBUCH ⋅ Die Lozärner Bier AG steht in der Kritik, weil sie in Schaffhausen brauen lässt. Aber auch in anderen Bieren der Region steckt weit weniger Heimat, als anzunehmen wäre. Das könnte sich bald ändern.

Es war das erste Lebensmittelgesetz Deutschlands – das Reinheitsgebot: Ins Bier gehören nur Wasser, Hopfen und Malz. In ihrer Urform wurde die Weisung als Bayrische Landesordnung niedergeschrieben. 1516 war das. Doch auch über 500 Jahre später sind Bier und die Braukunst in aller Munde. Immer wieder keimen Klein- und Mikrobrauereien auf – auch in Luzern. Im Kanton gibt es derzeit 37 Brauereien (Ausgabe vom 10. August). Egal ob sie Lager, Ale, Weizenbier oder Stouts herstellen – gemeinsam scheint ihnen eines: die regionale Verbundenheit.

Gross war darum auch die Zufriedenheit in der Branche, als das Luzerner Kantonsgericht befand: Die Lozärner Bier AG muss transparent machen, dass sie ihr Lager in Schaffhausen brauen lässt. Oder aber das Bier in Luzern herstellen (Ausgabe vom 21. Juli). Nur: Auch in den anderen Bieren der Region ist weit weniger Luzern enthalten, als anzunehmen wäre. Dies zeigt eine Umfrage unserer Zeitung bei acht hiesigen Brauereien. Das Gros bezieht ihre Rohstoffe aus dem Ausland, vor allem aus Frankreich und Deutschland. Und zwar aus einem einfachen Grund: «Wir haben in der Schweiz schlicht keine Mälzerei, die genügend Gerste verarbeiten könnte», sagt Alois Gmür, CVP-Nationalrat, Mitinhaber der Einsiedler Brauerei Rosengarten und Präsident der IG unabhängiger Schweizer Brauereien.

Brauer: «Je regionaler, desto besser»

Gmürs Aussagen decken sich mit denjenigen der Luzerner Bierproduzenten. Thomas Steenaerts vom Brauhuus 531 in Beromünster sagt: «Gäbe es genügend Malz aus der Schweiz – wir wären die ersten, die es beziehen würden.» Denn Fakt sei: «Je regionaler ein Bier, desto besser.» Gleicher Meinung ist David Schurtenberger von der Brauerei Luzern AG, welche das Luzerner Bier herstellt: «Es wäre wünschenswert, wenn die Rohstoffe von lokalen Lieferanten stammen würden.» Das Malz hat die Brauerei Luzern AG zwar von einem Unternehmen in der Nähe von Bamberg, ein Teil des Hopfens stammt dafür von einem kleinen Biobetrieb im Kanton Solothurn. Etwa 20 bis 25 Prozent mache der Schweizer Hopfen an der Gesamtmenge aus, so Schurtenberger.

Der Wunsch nach regionalen Zutaten gärt also. Und: Es geht etwas. Derzeit laufen Bestrebungen, die Malzproduktion in der Schweiz zu intensivieren. Treibende Kraft ist die IG Mittellandmalz mit Sitz im bernischen Zollikofen. Was auf Initiative eines einzelnen Brauers ins Leben gerufen wurde, stösst auf reges Interesse: «Wir verzeichnen Jahr für Jahr einen Mitgliederzuwachs», sagt Präsident Christian Ramseier. Die Gemeinschaft will Landwirte dazu motivieren, Braugerste anzupflanzen und gleichzeitig bei den Brauereien das Interesse für Schweizer Malz wecken. In einer Annahmestelle im bernischen Lyssach können die Produzenten die Gerste abgeben, gemälzt wird sie dann entweder in Süddeutschland oder aber in Genf – in der ersten Kleinmälzerei der Schweiz.

Weil die Bauern ihre Gerste nur in Lyssach abgeben können, beschränkt sich das Einzugsgebiet der IG Mittellandmalz im Moment auf die Kantone Bern, Solothurn und Freiburg. Die Verantwortlichen wollen in Zukunft expandieren. Ramseier: «Wir klären die Bedürfnisse in verschiedenen Kantonen ab – darunter Luzern.» Ist das Interesse der Luzerner Brauer und Landwirte gross genug, könnte eine Annahmestelle im Kanton ­Luzern eröffnet werden.

Doch dieses Korn ist noch länger nicht geschrotet. «Wer Luzerner Malz aus der Schweiz will, muss momentan noch längere Wege gehen. So wie die Entlebucher Bier AG.» «In wenigen Monaten werden wir damit beginnen, eigene Braugerste zu säen, die wir dann in Genf mälzen lassen», sagt Geschäftsführer Gregor Felder. Die Anbau­fläche in Hasle umfasst eine Hektare, was rund vier Tonnen Malz ergibt. Diese Menge reicht aus für etwa 220 Hektoliter Bier. Der Anbau im Entlebuch ist allerdings recht anspruchsvoll, da die Wachstumszeit kürzer ist und der viele Regen die Ernte erschweren kann. «Wenn alles gut läuft, ist das Bier im nächsten Sommer bereit, um getrunken zu werden», so Felder.

Entlebucher pflanzen eigene Braugerste an

Zurück zum Fall der Lozärner Bier AG: Der Brauerei wurde bekanntlich zum Verhängnis, dass sie ein Bier aus Luzern anpries, das nicht in Luzern hergestellt wird. Laut Kantonsgericht kann eine Täuschung auch vorliegen, wenn beim Konsumenten falsche Vorstellungen über die Herkunft der Rohstoffe oder Bestandteile geweckt werden. Ist das nicht der Fall, wenn die meisten Produktionsmittel nicht aus der Region, ja nicht einmal aus der Schweiz stammen? Die Antwort lautet Ja und Nein – und ist mit der neuen Swissness-Gesetzgebung zu erklären: Damit Lebensmittel mit dem Swiss-made-Label werben dürfen, müssen 80 Prozent der Rohstoffe aus der Schweiz stammen. Und der Hauptbestandteil des Bieres ist Wasser, der Anteil beläuft sich auf über 90 Prozent. Deshalb dürfen sich das Entlebucher, das Soorser oder das Luzerner Bier auch weiter so nennen.

Offen ist noch die Frage, wie die Lozärner Bier AG mit dem Urteil des Kantonsgerichts weiterfährt. Das Unternehmen will auf die Frage unserer Zeitung, ob es das Urteil ans Bundesgericht weiterzieht, keine Stellung beziehen.

Kilian Küttel

kilian.kuettel@luzernerzeitung.ch


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Das ultimative Bier-Quiz


Frage 1 von 18:

Beginnen wir mit ein paar einfachen Fragen: Lagerbier ist die in der Schweiz am häufigsten getrunkene Biersorte. Wie hoch ist der Alkoholgehalt in der Regel?


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