Zentralschweiz
15.07.2017 13:59

Bundesrat Schneider-Ammann richtet sich an die Absolventen

  • Rundum zufriedene Gesichter an der Lehrabschlussfeier im Berufsbildungszentrum Goldau.
    Rundum zufriedene Gesichter an der Lehrabschlussfeier im Berufsbildungszentrum Goldau.
LEHRABSCHLUSS ⋅ «Die Jugendlichen sollten verfolgen, was ihnen am meisten Spass macht und wo Herzblut im Spiel ist.» Bundesrat Johann Schneider-Ammann richtet sich via unsere Zeitung an alle Zentralschweizer Lehrabschlussabsolventinnen, -absolventen und künftigen Lehrlinge.

Von Bundesrat Johann Schneider-Ammann

Sie haben es geschafft, liebe Lehrabschlussabsolventinnen und -absolventen. Sie haben Ihre berufliche Grundbildung erfolgreich abgeschlossen. Dazu gratuliere ich Ihnen ganz herzlich! Sie haben in den letzten Wochen und Monaten, ja sogar Jahren, viel Fleiss und Energie aufgewendet, um diesen Sommer Ihr eidgenössisches Fähigkeitszeugnis in den Händen zu halten. Damit ist Ihnen der erste – und womöglich wichtigste – Schritt im Arbeitsleben geglückt.

Gleich wie die frischgebackenen Lehrabschlussabsolventinnen und -absolventen entscheiden sich jährlich zwei von drei Jugendlichen in der Schweiz für die Berufsbildung. Ihre Vielfältigkeit ist Ausgangslage dafür, dass jede und jeder das lernen kann, wofür sie oder er die besten Voraussetzungen mitbringt. Dies ist – seien wir uns dessen bewusst – ein grosses Privileg. Ich plädiere dafür, bei der Berufswahl nicht zu fest auf den Verstand zu hören, sondern vielmehr aus dem Bauch heraus zu entscheiden: Die Jugendlichen sollten verfolgen, was ihnen am meisten Spass macht und wo Herzblut im Spiel ist. Nicht Lohn und Ruf stehen an erster Stelle, sondern Interesse und Neigung.

Die Berufsbildung ist nicht nur der erste Schritt ins Arbeitsleben, sondern Basis für lebenslanges Lernen, das – gerade im Kontext der Digitalisierung – ein wichtiges Stichwort ist. Um ständig auf dem neusten Stand zu bleiben, müssen und dürfen wir uns lebenslang (weiter-)bilden. Die Berufsbildung legt den Grundstein dazu und öffnet eine Vielzahl von Berufsperspektiven; es gibt keine Sackgassen! Getreu dem Motto «Kein Abschluss ohne Anschluss» kann sich jede Person ihren individuellen Fähigkeiten und Interessen entsprechend weiterentwickeln. Dank der hohen Durchlässigkeit, die unser Bildungssystem prägt, ist es beispielsweise möglich, den Einstieg in die Arbeitswelt mit einer Berufslehre zu starten und am Ende an der ETH zu doktorieren. Oder man wählt den gymnasialen Weg, studiert an einer Universität und nutzt dann einen Bildungsgang der höheren Berufsbildung, um spezifische Berufsqualifikationen nachzuweisen. Kurzum, (fast) alles ist möglich für Motivierte und Interessierte.

Investitionen in die Berufsbildung lohnen sich auch für die Schweizer Wirtschaft: Gut ausgebildete Fach- und Führungskräfte sind seit jeher ein bedeutender Wirtschaftsfaktor der Schweiz. Sie tragen zur hohen Qualität des Denk- und Werkplatzes Schweiz, zu tiefer (Jugend)-Arbeitslosigkeit und zu sozialer Stabilität bei. Dank ihnen gehören wir zu den führenden Wirtschaftsnationen und sichern uns im internationalen Wettbewerb immer wieder Spitzenpositionen.

Dass auf dem dualen Berufsbildungsweg das gelehrt wird, was auf dem Arbeitsmarkt auch wirklich gefragt ist, verdanken wir hauptsächlich dem Engagement von Unternehmen und Verbänden. Um für die Zukunft gerüstet zu sein, muss unser Berufsbildungssystem jedoch stets flexibel auf gesellschaftliche, wirtschaftliche und technologische Veränderungen reagieren. Die Kombination von liberalem Arbeitsmarkt und Durchlässigkeit im Bildungssystem erlaubt es uns, der Marktentwicklung rasch zu folgen. Zusammen mit den Organisationen der Arbeitswelt und den Kantonen ist der Bund deshalb laufend daran, die Berufsbildung zu modernisieren.

Beispielsweise mit dem nationalen Qualifikationsrahmen Berufsbildung. Auf der Grundlage einer Verordnung werden seit 2014 alle formalen Bildungsabschlüsse in einen nationalen Rahmen eingestuft. Dies macht es möglich, erworbene Kompetenzen unabhängig vom Bildungsweg europaweit zu vergleichen. Damit verbessern sich die internationale Anerkennung der schweizerischen Berufsabschlüsse und die Stellung der Ausgebildeten im (inter-)nationalen Arbeitsmarkt.

Bei all jenen, die sich für die Berufsbildung engagieren, bedanke ich mich an dieser Stelle ganz herzlich: bei den Betrieben, die Lehrstellen anbieten, Lernende ausbilden und ihnen damit eine berufliche und gesellschaftliche Integration ermöglichen. Bei den Verbänden, die sich für die Berufsbildung starkmachen, ihre Bildungsangebote auf dem neuesten Stand halten und damit ihren qualifizierten Nachwuchs sicherstellen. Und natürlich bei den vielen jungen Menschen, die sich für den Berufsbildungsweg entscheiden und mit Fleiss und Können hervorragende, auf dem Arbeitsmarkt gefragte Berufsleute werden.

Die Berufslehre ist ein grosser Schweizer Trumpf. Sorgen wir weiterhin gemeinsam dafür, dass dies auch in Zukunft so bleibt.

Hinweis

Bundesrat Johann Schneider-Ammann (65, FDP) ist Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung.

Meist gelesene Artikel

Valerio Nesci, Pizzaiolo im caffè e più und Nadja Brunner, Geschäftsführerin vor dem Kolosseum.
ROM

Luzerner Pizzeria holt Bronze an der Pizza-Weltmeisterschaft

Den Hausbesitzern an der Mätteliguetstrasse droht Ungemach wegen Unstimmigkeiten zwischen dem Generalunternehmer und der Baufirma.
SCHACHEN

Hausbesitzer sitzen in der Falle

Duell in der oberen Etage zwischen Lausannes Nicolas Gétaz (links) und Luzerns Lucas Alves.
FUSSBALL

FCL für Unvermögen bestraft

PARIS

Polizist in Frankreich tötet drei Menschen, einen Hund und sich

Wegweiser zur Luzerner Psychiatrie in St. Urban. Im Hintergrund die Türme des angrenzenden Klosters.
LUZERN

Expertin kritisiert Psychiatrie hart

Claudia Ziltener ist Präsidentin der Kesb Region Willisau-Wiggertal.
WILLISAU

Präsidentin der Kesb Willisau-Wiggertal: «Wir sind diejenigen, die sich einmischen müssen»

LERNEN

Laut Hirnforscher sind Kunst und Sport die wichtigsten Schulfächer

Tiefe Zinsen lassen die Investitionen in Immobilien steigen.
PENSIONSKASSEN

Pensionskassen investieren jeden vierten Franken in Immobilien

Blick in die Regie während der Aufzeichnung der Sendung «Arena» zum Thema «No Billag – Ja oder Nein?» des Schweizer Fernsehens.
NO BILLAG

TV-Stars verrennen sich auf Facebook

Die Mall of Switzerland wird sehr gut besucht. Doch dies führt zu arg stockendem Verkehr auf den Strassen rund um das Einkaufszentrum.
LUZERN

Massiver Stau: Mall-Betreiber wollen umgehend handeln

Zur klassischen Ansicht wechseln