Wirtschaft
16.07.2017 07:17

Meinung

Ab 50 darf noch lange nicht Schluss sein

ÄLTERE ARBEITNEHMER ⋅ Dominik Buholzer, Leiter ZaS, über die Rolle älterer Arbeitnehmer in Zeiten des zunehmenden Fachkräftemangels.

Diese Woche bekamen wir es mal wieder schwarz auf weiss: Wir steuern auf einen Fachkräftemangel zu. Wenn wir nichts unternehmen, dürfte sich in den kommenden zehn Jahren eine Lücke von 690 000 Vollzeitstellen ergeben. Wirklich überraschend ist diese Erkenntnis eigentlich nicht. Der Fachkräftemangel hat ja mittlerweile Einzug ins Vokabular eines jeden Berufsverbandes und einer jeden Amtsstube gefunden. Absender der Botschaft ist dieses Mal eine Bank: die UBS.

Richtig spannend sind erst die Schlüsse, die die Grossbank daraus zieht. Um den Engpass zu umgehen, müsse die Schweiz in Zukunft vermehrt auf Personal im Alter 50 + setzen. Doch damit ältere Arbeitnehmer attraktiv bleiben, schlägt die Bank vor, dass diese Lohnabstriche in Kauf nehmen, ihre Pensen schrittweise herunterfahren und sich die Karriere abschminken. Die Autoren der Studie nennen dies «Regenbogenkarriere». Die Mitte des Erwerbslebens soll den Höhepunkt im Berufsleben darstellen. Danach müssten die Arbeitnehmer, je älter sie werden, desto mehr zurückbuchstabieren. Einzig die Kündigungsfrist soll verlängert werden, um damit den älteren Arbeitnehmenden mehr Sicherheit zu geben.

Das mag vielleicht reizvoll tönen, schiesst aber weit übers Ziel hinaus. Fakt ist, dass die Löhne von Angestellten über 50 in der Regel eh nicht mehr gross steigen, wenn sie es denn überhaupt tun. Und von mangelnder Attraktivität kann auch nicht die Rede sein: Angestellte über 50 verfügen über ein langjähriges Wissen und einen entsprechend grossen Erfahrungsschatz, ihre Kinder sind meist erwachsen. Damit können sie sich voll auf den Beruf konzentrieren, und länger arbeiten müssen aufgrund der Erhöhung des Rentenalters eh bald alle.

Es gehört heute zum guten politischen Ton, auf das Potenzial von Angestellten über 50 hinzuweisen. Das ist oft nicht mehr als ein Lippenbekenntnis. Dies zeigte sich auch bei der letzten «nationalen Konferenz der älteren Arbeitnehmer» von Bundesrat Johann Schneider-Ammann im vergangenen April. Viel schaute bei dem Treffen nicht heraus. Einigen konnte man sich aber zumindest auf diesen Satz: «Es muss ein Kulturwandel stattfinden.» Es ist höchste Zeit, dass dieser Prozess stattfindet.

Dominik Buholzer, Leiter «Zentralschweiz am Sonntag»,

dominik.buholzer@luzernerzeitung.ch

Meist gelesene Artikel

Valerio Nesci, Pizzaiolo im caffè e più und Nadja Brunner, Geschäftsführerin vor dem Kolosseum.
ROM

Luzerner Pizzeria holt Bronze an der Pizza-Weltmeisterschaft

Den Hausbesitzern an der Mätteliguetstrasse droht Ungemach wegen Unstimmigkeiten zwischen dem Generalunternehmer und der Baufirma.
SCHACHEN

Hausbesitzer sitzen in der Falle

Duell in der oberen Etage zwischen Lausannes Nicolas Gétaz (links) und Luzerns Lucas Alves.
FUSSBALL

FCL für Unvermögen bestraft

PARIS

Polizist in Frankreich tötet drei Menschen, einen Hund und sich

Wegweiser zur Luzerner Psychiatrie in St. Urban. Im Hintergrund die Türme des angrenzenden Klosters.
LUZERN

Expertin kritisiert Psychiatrie hart

Claudia Ziltener ist Präsidentin der Kesb Region Willisau-Wiggertal.
WILLISAU

Präsidentin der Kesb Willisau-Wiggertal: «Wir sind diejenigen, die sich einmischen müssen»

LERNEN

Laut Hirnforscher sind Kunst und Sport die wichtigsten Schulfächer

Tiefe Zinsen lassen die Investitionen in Immobilien steigen.
PENSIONSKASSEN

Pensionskassen investieren jeden vierten Franken in Immobilien

Blick in die Regie während der Aufzeichnung der Sendung «Arena» zum Thema «No Billag – Ja oder Nein?» des Schweizer Fernsehens.
NO BILLAG

TV-Stars verrennen sich auf Facebook

Die Mall of Switzerland wird sehr gut besucht. Doch dies führt zu arg stockendem Verkehr auf den Strassen rund um das Einkaufszentrum.
LUZERN

Massiver Stau: Mall-Betreiber wollen umgehend handeln

Zur klassischen Ansicht wechseln