Panorama
12.09.2017 16:45

Grosse Solidarität mit Bondo – Sachschäden noch nicht bezifferbar

  • Die Gefahr weiterer Felsstürze und Murgänge in Bondo ist noch nicht gebannt. Das Aufräumen ist eine heikle Angelegenheit.
    Die Gefahr weiterer Felsstürze und Murgänge in Bondo ist noch nicht gebannt. Das Aufräumen ist eine heikle Angelegenheit. | KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER
BERGSTURZ ⋅ Der Südbündner Bergsturz-Ort Bondo kann in der Schweiz auf eine grosse Solidarität zählen. Um die fünf Millionen Franken dürften bislang gespendet worden sein. Die Sachschäden nach dem Bergsturz und den Murgängen können allerdings noch nicht beziffert werden.

In einem Monat frühestens oder in einem Jahr könnten die Sachschäden im Bergeller Dorf Bondo nach den Murgängen im August bezeichnet werden, sagte Markus Feltscher, Direktor der Bündner Gebäudeversicherung, auf Anfrage. Protokolliert werden können die Schäden erst dann, wenn die Inspektoren gefahrlos Zutritt zu den Gebäuden haben.

Das kann dauern: Nach wie vor wird in Bondo täglich gebaggert, um das Auffangbecken von dem angeschwemmten Material zu befreien. 100'000 Kubikmeter fasst das Becken. Derzeit ist es mit 400'000 Kubikmetern Material mehr als überfüllt.

Das Material muss rasch abgetragen werden. Erst danach erfüllt die Auffangvorrichtung für die Orte Bondo, Spino und Sottoponte ihre Schutzfunktion wieder.

Vier Minuten-Regel

Solange am Piz Cengalo noch eine Gesteinsmenge von einer halben bis einer Million Kubikmeter akut absturzgefährdet ist, bleibt unten in Bondo die Einhaltung der Vier-Minuten-Regel für die Einsatzkräfte die Lebensversicherung. Bei einem erneuten Felssturz mit anschliessendem Murgang müssen die Arbeiter in dieser kurzen Zeit aus der Gefahrenzone raus sein.

"Für uns wäre es am besten, wenn sich der Piz Cengalo in kleinen Portionen entladen würde", sagte der Mediensprecher der Gemeinde Bregaglia, Christian Gartmann. Dann wäre die Gefahr erneuter Muren am geringsten.

Grosse Solidarität

Unterdessen erfahren Bondo und das Bergell grosse Solidarität unter der Schweizer Bevölkerung, von Kantonsregierungen und Institutionen. 2,7 Millionen Franken wurden der Glückskette für Bondo gespendet. Mit den anderen Spenden, die direkt an die Gemeinde Bregaglia überwiesen wurden, dürfte eine Gesamthilfe von unterdessen fünf Millionen Franken zur Verfügung stehen.

Eine Million Franken davon stammt von der Schweizer Patenschaft für Berggemeinden. Die Organisation spendete eine halbe Million Franken für Sofortmassnahmen und errichtete einen speziellen Bondo-Fonds, in den inzwischen über eine halbe Million Franken geflossen sind.

Vertreter des Hilfswerks Caritas orientieren am (morgigen) Mittwoch in Bondo über Möglichkeiten der Sofort- und Überbrückungshilfe. Caritas ist der operative Arm der Glückskette im Falle des Bergeller Bergsturzes.

Drei Arten von Hilfe

Die Glückskette leistet drei Arten von Hilfen. Die Soforthilfe unterstützt Einzelpersonen und Familien bei ersten Anschaffungen wie Kleidern. Überbrückungshilfe gibt es für Personen, die temporär eine Unterkunft benötigen, und KMUs, die in ihrer Tätigkeit beeinträchtigt wurden.

Später, wenn klar ist, welche Kosten von Versicherungen und Dritten übernommen worden sind, kann die Glückskette einen Teil der Restkosten von Aufräum- und Wiederherstellungsarbeiten übernehmen.

Diese Hilfe sei subsidiär und falle in der Regel bis zu zwei, drei Jahren später an, sagte Daniela Toupane, Mediensprecherin der Glückskette. Die Sammelorganisation hatte unmittelbar nach dem grossen Bergsturz vom 23. August, der acht Wanderern das Leben kostete, eine Soforthilfe von 260'000 Franken gesprochen. (sda)

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