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RATGEBER

Wie schädlich ist Alkoholkonsum für das Herz?

Ich (m, 68) hatte vor zwei Jahren einen Herzinfarkt. Auf Alkohol verzichten mag ich deswegen nicht. Meine Frau macht sich manchmal Sorgen deswegen, insbesondere auch jetzt an den Fasnachtstagen, wo etwas mehr als üblich getrunken wird. Ist Alkohol wirklich schlecht für das Herz? Gibt es eine Obergrenze? Auch kurze und intensive Alkoholeinnahme kann Herzrhythmusstörungen verursachen und sollte deshalb speziell von Risikopersonen vermieden werden. Moderater Alkoholkonsum wirkt sich dagegen tendenziell positiv auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus.
06.02.2018 | 04:39

Wie so oft ist die Menge entscheidend! Die beruhigende Nachricht zuerst: Für moderaten Weinkonsum von 1/8 bis ? Liter pro Tag (20 bis 30 g Alkohol) konnten Studien ein vermindertes Herzinfarkt- und Schlag­anfallrisiko belegen. Eine sogenannte mediterrane Diät mit viel Gemüse, Fisch und ein ­wenig Wein wird auch Patienten nach einem Herzinfarkt empfohlen. Dies erklärt sich dadurch, dass mässiger Alkoholkonsum einen positiven Effekt auf das HDL-Cholesterin («gutes ­Cholesterin») hat. Zudem wird dem Inhaltsstoff Resveratrol im Rotwein beziehungsweise in den Trauben ein gewisser Schutz­effekt zugeschrieben.

Es gibt allerdings auch Schattenseiten. Langjähriger Alkoholüberkonsum kann zu Herzschwäche (Herzinsuffizienz) führen. Frauen, die täglich über fünf Jahre mehr als 2? Gläser Wein trinken (circa 30 g Alkohol) und Männer, die täglich mehr als 5 Gläser trinken (circa 60 g), gelten als Vieltrinker mit entsprechend erhöhtem Risiko. Um einer Alkoholabhängigkeit vorzubeugen, sollten zumindest zwei Tage pro Woche alkoholfrei bleiben.

Vollrausch ist nie problemlos

Aber auch ein kurzer und sehr intensiver Alkoholkonsum (zum Beispiel Vollrausch im Ausgang und an der Fasnacht) kann bereits negative Auswirkungen aufs Herz haben. Eine Studie untersuchte 3000 zufällig ausgewählte Besucher am Oktoberfest 2015 in München mittels EKG und Alkohol-Atemtest. Bei 1 Prozent der Versuchspersonen wurde die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern nachgewiesen. Je mehr Alkohol getrunken wurde, umso höher war die Wahrscheinlichkeit. Die Patienten verspüren dabei Herzrasen/Herzstolpern, oft mit einer Herzfrequenz von über 120 Schlägen pro Minute, und sie fühlen sich entsprechend schlapp.

Vorsicht mit Energy-Drinks

Die Rhythmusstörung normalisiert sich manchmal spontan, viele Patienten müssen ­allerdings ins Spital für eine ­weitere medikamentöse ­Behandlung. Einmal aufge­treten, besteht weiterhin eine Neigung für erneute Rhyth­mus­störungen, besonders bei exzessivem Alkoholkonsum.

Die Kombination von Alkohol mit koffeinhaltigen Energy-Drinks kann vor allem für Kinder und Jugendliche sowie für Herzpatienten (zum Beispiel nach Infarkt, bei Herzschwäche) gefährlich werden: Rhythmusstörungen, Bluthochdruck-­Krisen mit Kopfweh, Übelkeit und Erbrechen gehören zu den möglichen Nebenwirkungen.

Eine moderate Alkoholdosis hat eine leicht blutdruck­senkende Wirkung, da sich die Blutgefässe erweitern, was dann als Rötung des Gesichts erkennbar wird. Bei übermässigem Alkoholkonsum steigt allerdings der Blutdruck an, besonders wenn zusätzlich geraucht wird. Diese Effekte werden durch eine Steigerung der Sympathicus-­Aktivität im Gehirn verursacht. Dadurch werden Hormone freigesetzt, welche Blutdruck und Herzfrequenz steigern.

Fazit: Ganz verzichten auf alkoholische Getränke müssen Sie an der Fasnacht nicht, allerdings sollten Sie es dem Herz und auch der Leber zuliebe nicht übertreiben. Auch kurze und intensive Alkoholeinnahme kann Herzrhythmusstörungen verursachen und sollte deshalb speziell von Risikopersonen vermieden werden. Moderater Alkoholkonsum wirkt sich dagegen tendenziell positiv auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus.

PD Dr. med. Georg Fröhlich, Facharzt für Kardiologie und Innere Medizin

 

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