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GENUSS

Der Kebab ist schon fast eingebürgert

Der Fleischspiess ist wohl das beliebteste Fast Food der Schweizer. In den hiesigen Küchen ist er allerdings noch nicht angekommen. Dabei zeigt sich grad hier, dass er mehr sein kann als der übliche Einheitsspiess.
04.02.2018 | 10:06

Kaspar Enz

Von «Kiebab», «kleinen Stückchen Hammelfleisch, am Spiess gebraten und in Brotteig eingewickelt», berichtete der preussische General Helmuth von Moltke schon 1836 aus dem osmanischen Reich. Über 100 Jahre später reiste ihm dieses «sehr gute, schmackhafte Gericht» mit türkischen Gastarbeitern nach. Und heute tönt es auch bei uns seltsam, den Kebab noch als «exotisch» zu bezeichnen.

Traditionelle Gastronomen rümpfen zwar noch immer die Nase, aber vielleicht sind sie ja nur neidisch. Wo diese ihr «Rössli», ihren «Ochsen» oder «An-ker» längst aufgegeben haben, hält oft ein Kebab-Brater noch die Stellung und behält etwas Leben in der Gasse. Der Absatz der Spiesse hat sich in rund zehn Jahren verzehnfacht: 2400 Tonnen wurden 2004 verkauft, 2015 waren es schon 24000. Damit isst jeder Schweizer durchschnittlich knapp drei Kilo Dönerfleisch im Jahr, mehr als Deutsche oder gar Türken, wie der Schweizer Kebab-Gewerbe-Verband vorrechnet. «Die Schweiz liebt den Döner», heisst es dort. Kein Wunder also, steht die «modernste Dönerfabrik der Welt» in Winterthur: Sie gehört der Royal Döner AG, Lieferantin eines Grossteils der Läden.

Im Skilager und in der Migros

Tatsächlich ist der Kebab schon fast so eingebürgert wie die Besitzer vieler Kebab-Buden. Denn es gibt ihn längst nicht mehr nur in Lokalen mit Namen wie «Leylas» oder «Istanbul Imbiss». Auf dem Menuplan eines Buttisholzer Skilagers steht der Kebab wie selbstverständlich neben den Älplermagronen, wie der Seklehrer dem «Willisauer Boten» berichtet. Die «Coop-Zeitung» empfiehlt Kebab zum Tempranillo. Die Bäckerei Kuhn verkauft in ihren Filialen von Brunnadern bis Zürich den «Toggenburger Kebab». Und die Migros Ostschweiz verkauft in ihren Take-aways als Monatssandwich regelmässig eine Poulet-Kebab-Tasche. «Das Produkt kommt bei der Kundschaft gut an», sagt Migros-Mediensprecher Christian Possa.

Weit weg von des Sultans Kebab

Es ist aber nicht nur die Allgegenwärtigkeit, die dem Kebab die Exotik nahm. Ja, man könnte ihm fast vorwerfen, sich etwas zu sehr angepasst zu haben. In ihre Fladenbrote wickeln hiesige Spiessdreher Cocktailsauce und Eisbergsalat. Und meist schaben sie die günstigeren Hackfleisch-Spiesse statt diejenigen aus geschichteten Fleischscheiben, die einst sogar im Topkapi-Palast den Sultanen serviert wurden.

Abhilfe schaffen lässt sich an dem Ort, den der Kebab auch in der Schweiz noch nicht erreicht hat: in der heimischen Küche. ­Einen Drehspiess hat kaum jemand. Doch der lässt sich mit ­einigen Kniffs ersetzen, und der Kebab lässt sich auch zu Hause braten. So können Hausherren wie Gäste selber entscheiden, wie viel Exotik sie ins Fladenbrot rollen wollen.

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