SPARPROGRAMM

Fasnachtsverkürzung: Die Volksseele kocht

Geht es nach der Lozärner Regierung, soll schon am Montag Abend mit der Fasnacht Schluss sein. Doch Sparminister Guido Paul Scherzinger scheint die Rechnung ohne die Fasnächtler gemacht zu haben.
11.02.2018 | 20:22

Mischtian Chreier

christian.meier@luzernerzeitung.ch

Am Montagabend will die Luzerner Regierung mit Sparminister Guido Paul Scherzinger ernst machen und die Fasnacht tatsächlich einen Tag früher als üblich beenden. Das ist allerdings erst der Anfang eines rüüdig restriktiven Fasnachtssparpaketes, das unsere Zeitung letzte Woche publik gemacht hat. Kein Witz: Mittelfristig soll die Lozärner Fasnacht halbiert werden und nur noch drei Tage dauern. Damit reagiert Scherzinger (54) von der Bürgerlichen Einheitspartei (BEP) auf die Forderungen jener Unternehmen, die aufgrund der Tiefsteuerpolitik nach Luzern gezogen sind und jetzt über die vielen Arbeitsausfälle während der Fasnacht klagen (siehe Links).

Erwartungsgemäss kommt die regierungsrätliche Fasnachtsverkürzungsoffensive an der Basis gar nicht gut an. Ganz im Gegenteil: die Volksseele kocht. Eine erst am Freitagabend spontan auf der Lozärner Rathaustreppe gegründete «IG gegen den Raubbau an der Fasnacht» vermochte via soziale Medien innert Stunden die unglaubliche Zahl von 50 000 Mitgliedern zu gewinnen – und will diese nun auch mobilisieren: Die IG hat vor, sich heute Abend zwar «gewaltfrei, aber mit Pauken, Trompeten und allem, was die Fasnacht sonst noch so her gibt», gegen das vorzeitige Ende zu wehren.

Schon am Sonntag kam es zu Demonstrationen, und zwar nicht nur in der Stadt Luzern, sondern auch in verschiedenen Landgemeinden. In Einzelfällen musste unbestätigen Angaben zufolge sogar die Polizei einschreiten – etwa im Grossraum Hildisrieden, wo es zu ersten Ausschreitungen seit der Schlacht bei Sempach gekommen sein soll. Auch in Schüpfheim formierten sich Fasnachtskürzungsgegner zu einem veritablen Demonstrationszug, bei dem verkleidete, zum Teil sogar vermummte Personen unter anderem «Scherzinger muss weg; Scherzinger muss weg» skandierten. Offenbar ging ausserdem eine Fensterscheibe zu Bruch.

Scherzinger will an Plan festhalten

Guido Paul Scherzinger nimmt die Reaktionen aus dem Volk zwar «zur Kenntnis», wie er auf Anfrage sagt. Doch ändern will er seinen Plan nicht: «Es wäre nicht fair, das Sparprogramm einzig Betagten, Behinderten und Schülern aufzubürden. Darum müssen auch die Fasnächtler ihren Beitrag leisten.» Er selber will heute Abend im Luzerner Stadtzentrum persönlich dafür sorgen, dass die Fasnacht vorzeitig ein Ende nimmt. Ob das eine rüüdig gute Idee ist?

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